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Web 2.0 das Internet nach dem Internet

Ein neues Buzzword ist geboren: „Web 2.0″. Erfolgreich macht dieser Begriff seine Runden durch die Medien. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff „Web 2.0″? Stellen wir diese Frage einem Marketingprofi, Soziologen oder Techniker so werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit drei verschiedene Antworten erhalten.

Web 2.0 ist ein Oberbegriff unter dem eine Vielzahl von Entwicklungen im Internet zusammengefasst werden: Weblogs, RSS, Filesharing und vieles mehr. Alles Entwicklungen die das Nutzer- und Anwenderverhalten im Internet in den letzten Jahren wesentlich geprägt und verändert haben. Das Internet hat sich mit diesen Anwendungen von einer statischen Informations- und Verkaufsplattform zu einem interaktiven sozialen Raum gewandelt.

Das Internet im Wandel

Web 2.0 Mindmap nach O'reilly

In den Urzeiten des Internets waren die Rollen des Informations-Anbieters und des Informations-Suchenden klar getrennt. Im Web 2.0 verschwinden diese Trennungslinien. Der Nutzer wird Teil eines sozialen Netzwerkes mit dem er interagiert. Das Web 2.0 ist geprägt von Interaktionen mit virtuellen Gemeinschaften – den Communitys. Wer in der Musiktauschbörse neue Songs herunterläd wird über Peer-to-Peer Verbindungen auch zur Datenquelle für andere Teilnehmer der Tauschbörse. Der Informations-Suchende schlüpft mehr oder weniger bewußt in die Rolle eines Anbieters und wird Teil der Tauschbörsen Community.

Wie verändert sich die Internet-Nutzung im Web 2.0?

In den letzten zwei Jahren haben sich Trends herauskristallisiert. Das Internet wird verstärkt zum sozialen Raum. So werden in Weblogs und Wikis Informationen abgelegt, ausgetauscht und verteilt. Durch interkative Komponenten bilden sich Informationsräume mit eigenen Spielregeln. In diesen sozialen Informationsräumen können kleine Informationsbrocken sehr schnell zu großen unkontrollierten Lawinen anwachsen.

„…Weblogs, den Klowänden des Internet“ schrieb Jean-Remy von Matt. Just dieses Statement aus einer E-Mail wurde in einem Web-Tagebuch (Blog) publiziert und verbreitete sich binnen weniger Tage innerhalb der Blogosphäre. Es folgte eine Lawine Zitate, Trackbacks, Kommentaren und Blogeinträge der empörten Blogger. Jean-Remy von Matt hatte den Einfluss der Blogosphäre unterschätzt und stand nun vor einem hausgemachten PR-Gau. Nach einer Woche entschuldigte er sich öffentlich bei den beleidigten Bloggern. Was bleibt ist ein angekratztes Image und die Tatsache das beim „Googlen“ nach dem Namen „Jean-Remy von Matt“ nun 9 kritische Blog-Einträge die Rangliste 2-10 belegen!

Die Community an die Macht

Mit der musikalischen Liebeserklärung „Wo bist Du mein Sonnelicht“ sangen sich drei pfälzer Jungs in die Herzen der Blogger. Musikalischer Trash gepaart mit einem dilletantischen Video sorgten über Blogs und E-Mail für eine virale Verbreitung der selbsternannten Gesangskünstler. Binnen weniger Tage wurden Ismael, Selcuk und Fatih Hira zu Stars im Internet. Während bei „Deutschland sucht den Superstar“ über eine geballte Marketingoffensive ein „Hype“ teuer über Werbung erkauft werden muss, kürt die Internet-Community ihre eigenen Helden: über Mund zu Mund Propaganda werden in wenigen Stunden neue Medienstars geboren. Das Web 2.0 macht es möglich. Wo musikalischer Trash von Internet-Massen geliebt wird ist das Fernsehen mit Stefan Raab nicht weit. Und so haben es die drei pfälzer Jungs nun zum realen Plattenvertrag gebracht. Reschpekt!

Das Web 2.0 als Fläche für PR und Marketing

Es liegt Nahe die Mechanismen der Informationsverbreitung im Web 2.0 für kommerzielle und politische Zwecke zu nutzen. Doch dies ist ein Spiel mit dem Feuer. Meinungsbildende Communitys wie Wikipedia wissen um ihre Anziehungskraft und Multiplikatoren-Wirkung. Soziale Kontrolle funktioniert im Global Village des Web 2.0 ebenso, wie im Tante Emma Laden um die Ecke. Manipulationsversuche bleiben selten lange unentdeckt und können sich zu einem Boomerang entwickeln. Schmerzlich spüren mussten dies Abgeordnete des US Kongress, die versuchten Einträge in der Online Enzyklopädie Wikipedia zu schönen. Spürnasen der Wikipedia Community verglichen die IP-Adressen verdächtiger Textredakteure und identifizierten diese als Online-Anschlüsse von Abgeordneten-Büros. Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Web 2.0, um in Windeseile von den klassischen Medien aufgegriffen zu werden. Der Skandal war Perfekt.

Web 2.0 ein Internet der Communites

Es ist dennoch eine grosse Versuchung die Mechanismen des Web 2.0 für Manipulation und Marketing zu nutzen. Mit jedem Noname der über Nacht zum Star wird, steigt die Begehrlichkeit durch gezieltes streuen von Informationen einen Hype für die eigene Person oder Produkte zu entfachen oder andere Personen und Unternehmen gezielt zu diskreditieren. Stars werden im Web 2.0 über Nacht geboren und sind morgen schon vergessen. Informationen verteilen sich im Web 2.0 in Wellen. Manchmal überlagern sich diese Wellen und erzeugen über eine Resonanz eine Monsterwelle. Der Hype – oder der PR Gau – ist geboren. Doch alle diese Wellen verlieren mit dem Lauf der Zeit ihre Energie und verpuffen. Was bleibt ist eine langsam verblassende Spur im Google Index.

Das Verhalten der Internet Community läßt sich nicht wie die Uhrzeit vorhersagen. Das Web 2.0 lebt vom ausgesprochen launischen Gemüt seiner Communitys. Was heute hip ist, ist morgen schon langweilig. Das macht das Web 2.0 sympatisch. Es ist eine spannende Spielwiese, die dazu einläd als Teil von virtuellen Gemeinschaften zu agieren und zu experementieren.

Links zum Thema

Richard Mac Manus und Joshua Porter: Web 2.0 for Designers
Tim O’Reilly: What ist Web 2.0
Spiegel Online: Web 2.0 – Zereiss mich, kopier mich

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