Botschaft vom Weihnachtsmann

Alle Jahre leistet der Weihnachtsmann mit seinen Gehilfen ein unglaubliches Arbeitspensum. Dazu braucht er jedes Jahr zur Weihnachtszeit zuverlässige Helfer.

Was uns besonders freut:
IN DIESEM JAHR UNTERSTÜTZEN WIR DEN WEIHNACHTSMANN!

Seht mit eigenen Augen, wie der Weihnachtsmann, gemeinsam mit uns, dieses logistische Wunder vollbringt. Exklusiv als Dankeschön für unsere Leser, Freunde und Partner haben wir unsere Referenz „Weihnachtsmann 2006“ auf unserer Website veroeffentlicht!

Einfach auf http://www.digital-worx.de klicken, und sich überraschen lassen!

Weihnachtsmann im Weltraum

Lesetipp: B2B Brand-Management

Eine Pflichtlektüre für alle, die sich mit Marketing im Business to Business (B2B) Bereich beschäftigen. Die Autoren Philip Kotler, Waldemar Pförtsch, und Ines Michi beschreiben anschaulich die Basis für eine erfolgreiche Markenbildung und Markenführung im B2B Bereich.

In zahlreichen Fallbetrachtungen präsentiert das Buch erfolgreiche Beispiele für den Aufbau von B2B Marken und deren positive Wirkung für Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Beispiele die sehr klar zeigen, dass Markenbildung im globalen Markt neben Innovation und Geschwindigkeit ein wichtiger Baustein für die Sicherung von Wettbewerbsvorteile ist.

B2B Brand ManagementEine Erkenntnis die in der Konzernlandschaft schon verbreitet ist, allerdings erst nur allmählich in die Köpfe mittelständischer Unternehmen sickert. Denn gerade dort wird der Aufbau einer nachhaltigen B2B Markenstrategie oftmals sträflich vernachlässigt: Produkte müssen im Mittelstand leider immer noch zu oft für sich selber sprechen. Eine Nachricht die der Markt nicht immer versteht und nur selten angemessen honoriert.

Dabei zeigen die Autoren in diesem Buch, dass eine gute Markenführung kein Hexenwerk ist, sondern schlicht das Ergebnis einer sorgfältigen Planung, Entwicklung und konsequenten Umsetzung. Mit Marken lassen sich auch im Mittelstand nachhaltige Erfolge sichern.

Business-to-Business Brand Management. The Success Dimensions of Business Brands von Philip Kotler, Waldemar Pförtsch, und Ines Michi von Springer, Berlin

SMS Porn Spam und debitel AG die III.

Diesmal durchweg positive Bewertungen für das Beschwerdemanagement der debitel:

– Reaktionszeit auf meine erneutes E-Mail-Posting an den debitel Kundenservice: innerhalb von 24h

– Der debitel Kundenservice stellt sich aktiv dem Konflikt: persönlicher Anruf des Kundenmanager

– Entschuldigung bzgl. der Textbaustein-Email und der Porn-SMS-Spam durch den Kundenmanager.
Insofern ist es der debitel AG am Ende doch noch gelungen meinen Fall zu deeskalieren. Insgesamt hat das Kundenmanagement in dieser zweiten Runde einen professionellen Job geleistet.

Hiermit ist das Trouble-Ticket geschlossen.

Debi(l)tel die Antwort

Zunächst das Positive: Bravo, das Kundenmanagement von debitel hat innerhalb von 48h auf meine E-Mail Kundenbeschwerde zum Thema „SMS Porn Spam“ reagiert und eine Anwort per E-Mail zurückgesendet. 48h Reaktionszeit ist eine angemessene Zeitspanne – (noch schneller wäre besser, aber wir wollen nicht kleinlich sein).

Nun das Negative: zwar erscheint die Antwort bei einem ersten flüchtigen Blick tatsächlich persönlich von einem Mitarbeiter geschrieben zu sein, entpuppt sich allerdings beim ersten Lesen sofort als automatisch generierte Komposition von drei vorgefertigten Textbausteinen. Oh weh: da antwortet eine Maschine.

Unpersönlicher kann nicht gehen.

Was können wir daraus lernen? Durch eine automatisiertes Antwortschreiben, dass keinen Bezug zum Sachverhalt aufbaut, fühlt sich der Kunde nicht ernst genommen. Eigentlich scheut sich das Unternehmen vor einem persönlichen Kundenkontakt. Die Antwort von Debitel ist daher ein Beispiel für eine verpasste Chance in der Kundenkommunikation. Dies ist keine gelungene Strategie zur Kundenbindung.

Das Antwortschreiben der debitel AG:

Sehr geehrter Herr R.,

vielen Dank fuer Ihre Nachricht vom 05.12.2006.

Wir danken Ihnen, dass Sie uns so ausfuehrlich informieren. Eine gute Kundenbetreuung lebt von der Rueckmeldung ihrer Kunden. Wir danken Ihnen deshalb fuer Ihre Hinweise, die Sie uns in unserem Sinne gegeben haben.

debitel bietet Ihnen, ausser Mobilfunkvertraegen, weitere attraktive Produkte an. Schade, dass Sie damit nicht einverstanden sind. Selbstverstaendlich sehen wir von weiteren Kontakten in dieser Richtung bei Ihnen ab.

Damit Ihr Widerspruch garantiert in allen Systemen umgesetzt wird, benoetigt es ca. 14 Werktage. Bitte haben Sie Verstaendnis, wenn es innerhalb dieser Frist noch vereinzelt zu Werbung kommt.

Weiterhin gute Verbindung mit debitel!

Freundliche Gruesse

debitel AG
Ihre Kundenbetreuung

Thomas W.

100 Kinder suchen 100 Paten

Neue Aktionsseite für das CCF Kinderhilfswerk: Mit dieser Internet-Aktion sollen 100 neue Paten für hilfsbedürftige Kinder gewonnen werden.

Auf der Webseite des CCF Kinderhilfswerkes werden 100 Kinder aus den ärmsten Regionen der Welt vorgestellt. So lernen Internet-Nutzer anhand von 100 individuellen Schicksalen die Lebensumstände von Kindern in Armut kennen.

CCF Kinderhilfswerk

Durch die Bereitschaft eine Patenschaft für eines dieser Kinder zu übernehmen, können User nun online für eine besser Zukunft des Kindes beitragen. Mit einem monatlichen Betrag von 27,- Euro ermöglicht es ein Pate, dass sein Patenkind regelmäßig Essen, saubere Kleidung und Unterricht bekommt. Zum Dank erhält der Pate über den Projektträger CCF Kinderhilfswerk in regelmäßigen Abständen Informationen zum eigenen Patenkind.

Ein sensibles Thema informativ und interaktiv im Internet präsentiert

Das Konzept der Aktion und die Umsetzung erfolgte durch unsere Agentur in enger Abstimmung mit den Mitarbeiterinnen des CCF Kinderhilfswerk. Wichtigstes Ziel ist es, dass sensible Thema Kinderpatenschaft möglichst ansprechend, informativ und interaktiv im Internet zu präsentieren.

Ein besonderer Service für Internet-Benutzer, die sich online für eine Kinderpatenschaft entschließen, ist die Möglichkeit sich selbst in einem Paten-Blog vorzustellen.

Realisiert mit Open Source Software

Realisiert wurde die Aktionsseite mit dem, auf Open Source Software basierenden, Redaktionssystem TYPO3. Zusätzlich zum Basissystem wurden spezielle Erweiterungen entwickelt und eingebunden: zum Beispiel zur Präsentation von Kinderpatenschaften, ein Webtagebuch (Blog) und die Anbindung an ein Online-Spendensystem.

Vollkommen daneben: SMS Spam durch Debitel

Liebe Freunde von Debitel, glaubt ihr ernsthaft dass eure Kunden mit solchen SMS-Nachrichten beglückt werden wollen?

Debitel SMS Spam

Als Kunde dachte ich zunächst: WOW dem Laden muss es echt mies gehen, wenn schon Porno-Kram an Endkunden verhökert werden muss. Im zweiten Moment war ich aber eher irritiert.

Warum um alles in der Welt, denkt Debitel dass ich ein Interesse an Beate Uhse XMAS Bilder habe? Welches Datamining-Unding hat euch geritten? Ich bin männlich, 35 Jahre und seit zwei Jahren verheiratet – heißt das für Debitel dass ich reif für euren Pornomist bin?

Eine ehrliche Kundenmeinung ist ja Gold wert. Deshalb liebe Debitel hört mir gut zu:
Ich will keine SPAM SMS auf mein Handy – schon gar nicht von meinem Mobilfunkprovider und überhaupt schon gar nicht mit Pornokram!

Zudem ist dieses Angebot in Bezug auf Weihnachten wirklich geschmacklos.

Welche Praktikanten haben eigentlich bei euch diese Aktion ausgedacht?

Mit dieser Meinung dürfte ich kaum alleine sein – und bitte richtet das auch eurem Vorstand für Marketing und Produktmanagement aus.

P.S. Hätte ich den Vertrag mit Euch nicht schon gekündigt, wäre es jetzt so weit.

Liebe Grüße

Bloggen mit Think!

Bislang erschien einmal im Monat ein ausführliches Posting in Think! zu einem aktuellen oder interessanten New Media Thema. Der monatliche Rhythmus eines großen Beitrages wird auch im neuen Jahr beibehalten. Neu ist, dass wir zwischen diesen großen Themen nun auch kleine Postings im Blog veröffentlichen werden.

Viel Spass beim Lesen

Mirko Ross

Berühmt über das Internet (und wieder zurück)

Wie Personen über das Internet ins Rampenlicht der Welt geraten.

Über Nacht zum Star – ob freiwillig oder unfreiwillig – seit Beginn des Internet können sich Informationen über E-Mail, Foren, Filesharing und Newsgroups lawinenartig verbreiten. Populäre Portale der zweiten Internet-Generation, wie YouTube, MySpace oder Technorati sorgen dafür, das Informationen sich nun noch schneller viral ausbreiten können. Im Web der zweiten Generation werden Stars innerhalb weniger Stunden geboren.

Lesen Sie in dieser Ausgabe von Think!, wie sich Informationen im Web 2.0 viral verbreiten.

Das globale Dorf – Bonn liegt neben Bangalore

Unsere Welt ist durch das Internet zum globalen Dorf geworden – Bonn liegt neben Bangalore. Im Informationszeitalter bildet die Internet-Community ein soziales Netzwerk, in dem Informationen global und rund um die Uhr verbreitet werden. Neue Technologien wie Tagging und RSS sorgen dafür, dass Informationen automatisch verbreitet werden.

In diesem globalen Dorf kann jeder Mensch ins Rampenlicht geraten und freiwillig – oder unfreiwillig – berühmt werden. Aus dem Nichts werden neue Stars geboren wie Star Wars Kid, Schnappi, Lynne & Tessa, Grup Tekkan, Lonleygirl15 oder Paris Hilton.

Deren Stern steigt schnell durch das Internet empor und wird von klassischen Medien wie Zeitungen, Radio und Fernsehen gerne weiter verbreitet.

24h Unterhaltung

Die Internet-Community sucht 24h am Tag nach Unterhaltung. Ausschlaggebend für den schnellen Ruhm von Personen durch das Web ist daher deren Unterhaltungswert für Internet-Nutzer.

Popstar

Umso unterhaltender (oder auch aufregender) die Information, desto schneller wird diese über E-Mails, Blogs, Filesharing, Nachrichten- und Videoportale verbreitet. In nur wenigen Stunden wird ein Großteil der Internet-Nutzer mit solchen Informationen infiziert – es entsteht eine epidemische Verbreitung der Information.Unterschiedliche Mechanismen sind für eine virale Informationsverteilung im Internet verantwortlich. Betrachten wir drei Mechanismen genauer: Information-HUBs, Das Kleine Welt Phänomen und das Bored at Work Network.

HUBs – Informationsverteilung über wenige Knoten

Einige wenige Webseiten im Internet sind überproportional stark mit anderen Seiten verknüpft. Je höher der Grad dieser Verknüpfung, desto bedeutender wird dieser Knoten im Internet. Umso bedeutender ein Knoten, desto schneller steigt seine Vernetzung im Internet. Solche Knoten werden als Information-HUBs bezeichnet und sorgen dafür, das Informationen sehr schnell innerhalb des Netzwerkes verbreitet werden.

Es zeigt sich, dass die Vernetzung an einigen wenigen HUBs besonders konzentriert ist: beispielsweise Videoportale, Blogs, Community-Seiten und Nachrichtenseiten.

Informationen die über einen solchen HUB verbreitet werden, erreichen eine überproportionale Reichweite. Der Physiker Albert-László Barabási zeigt in seinem Netzwerkmodell, das 5 HUBs ausreichen, um 60% aller Netzwerkknoten in einem skalenfreien Netzwerk direkt zu erreichen.

Netztopologie

„The majority of nodes in a scale-free network have one or two links, but a few nodes have a large number of links; this guarantees that the system is fully connected. More than 60% of nodes can be reached from the five most connected nodes…“ Albert-László Barabási, Department of Physics, University of Notre Dame, „The physics of the Web“

Von der ersten Veröffentlichung auf der Nachrichten-Portal-Seite (Information-HUB) wird die Nachricht immer weiter auf unbedeutendere Plätze verdrängt, bis Sie schliesslich im Archiv landet – nach einer Studie von Albert-László Barabási im Schnitt nach ca. 36h.

Kleine-Welt-Phänomen

1967, weit vor dem heutigen Internet, prägte der amerikanische Soziologe Stanley Milgram den Begriff „small world phenomenon„. Nach Milgrams These, ist in einer modernen Gesellschaft jeder Mensch über ein kurze Kette von Kontakten miteinander verbunden. Dem von Duncan J. Watt’s an der Columbia University weiterentwickelten Modell liegt zu Grunde, dass weltweit jede Person über maximal sechs Bekanntschaftsbeziehungen miteinander verbunden ist.

Die Welt ist ein kleines Dorf, und über die modernen Kommuniktations-Mittel des Internet verbreiten sich Nachrichten über gut vernetzte Personen rasant. Dabei sind Personen mit vielen sozialen Kontakten (social HUBs) wichtige Multiplikatoren. Dieses Prinzip machen sich Portale wie OpenBC zu nutze.

Bored at Work Network

Der Online-Aktivist Jonah Peretti prägte den Begrif des „Bored at Work Network„. Gemeint sind damit die zahllos während der Arbeitszeit kursierenden E-Mails von Kollegen und Bekannten, mit zumeist spassigen oder skurrilen Inhalten. Diese E-Mails verbreiten sich viral unter Büro-Angestellten, die neben der Arbeit genügend Zeit für das studieren und weiterleiten dieser E-Mails haben.

Gelangweilte „social HUBs“ sind Treibstoff für das Bored at Work Network. Sie sorgen für eine virale Verbreitung von Informationen mit Unterhaltungswert.

Drei Beispiele aus der Praxis zeigen chronologisch, wie Personen durch das Zusammenspiel von Information HUBs, Kleine Welt Phänomen und Bored at Work Network ins Rampenlicht geraten.

Fall 1: Ghyslain Raza alias „The Star Wars Kid

Ghyslain Raza wurde mit 15 Jahren zum unfreiwilligen Star der Internet-Community. Dabei steht im Zentrum des Ruhms das clownhafte Auftreten in einem Video. Durch dieses Video wurde Ghyslain Raza zum Opfer durch „virtuelles Mobbing“ ausgelöst durch drei Mitschüler.

04.11.2002: Im Anschluss eines Schulprojektes filmt sich der 15 jährige Teenager Ghyslain Raza mit einem Golfschläger bewaffnet, als Laserschwert schwingender Jedi-Ritter. Danach vegisst Ghyslain das Video-Tape.

19.04.2003: Der Mitschüler Jérôme Laflamme entdeckt die vergessene Aufzeichnung auf dem Videoband. Gemeinsam mit seinen Freunden Michaël Caron und Jean-Michel Rheault digitalisieren Sie das Video und veröffentlichen es im File-Sharing-Netzwerk Kazaa unter dem Dateinamen: Jackass_starwars_funny.wmv.

24.04.2003: Das Video wird auch ausserhalb des File-Sharing-Netzwerkes bekannt. Es folgen Postings in Blogs, Foren, Webseiten und virale E-Mails im „Bored at Work Network„. Es erscheinen die ersten überarbeiteten Versionen des Videos mit Musik und Laser-Effekt.

Zum Video Starwars Kid

13.05.2003: Der Blogger Jishnu Mukerji macht Ghyslain ausfindig und führt ein telefonisches Interview. Das Video wurde zu diesem Zeitpunkt schon millionenfach im Internet verbreitet. Ghyslain betont, das die Veröffentlichung des Videos ihn überraschte und nicht von Ihm gewollt war: „Actually, it was a mistake. The cassette was left in the studio and someone put it on the Internet.

23.07.2003: Die Eltern von Ghyslain entschließen sich gerichtlich gegen die Mitschüler vorzugehen, die das Video in Umlauf brachten.

22.08.2003: In einem Interview mit einer kanadischen Tageszeitung äußert sich Ghyslain verbittert über seinen Fall „I want my life back„.

07.04.2006: Schlichtung im Fall „Star Wars Kid„. Die Eltern von Ghyslain Raza einigen sich mit den beklagten Eltern der Schüler, die das Video veröffentlichten. Details der Einigung sind unbekannt.

Im Gerichtsverfahren betont Ghyslain Raza die für ihn negativen Folgen der Internet-Popularität:
So wurde er von Mitschülern gemobbt und konnte nicht mehr die Schule besuchen. In der Öffentlichkeit sprachen ihn fremde Menschen als „Star Wars Kid“ an. Ghyslain stellte den Besuch der Schule ein und musste sich wegen Depressionen therapeutisch behandeln lassen.

Auch die beklagten Mitschüler bedauern Ihre Tat. Sie waren sich der möglichen Resonanz durch das Internet nicht bewusst.

Fall 2: Ismael, Selçuk und Fatih Hira alias „Grup Tekkan

Über das Videoportal YouTube gelangten die Darsteller eines Musikvideo innerhalb von 13 Tagen zu einem Auftritt im Fernsehen. Die drei Pfälzer Jugendlichen Ismael, Selçuk und Fatih Hira durften trotz offensichtlichen Mangels an Talent von einer Karriere als Band „Grup Tekkan“ träumen.

Was war geschehen?

03.03.2006: Der Blogger Mathias Oborski stellt das Video der Grup Tekkan auf YouTube online. Nach Aussage von Mathias Oborski, stammt das Video-Orginal aus einem unbedeutenden Internet-Forum.

Zum Video Grup Tekkan

03.03.2006, 21:09 Uhr: Mathias Oborski veröffentlicht in seinem Blog einen Beitrag mit dem von YouTube eingebundenen Video der Grup Tekkan.

06.03.2006, 15:00 Uhr: Der populäre Blog „Spreeblick.de“ greift das Thema auf und veröffentlicht einen Beitrag „Wo bist du mein Sonnenlicht“. Das „Bored at Work Network“ beginnt zu arbeiten. Es kursieren die ersten viralen E-Mails mit einem Link zu Spreeblick und YouTube.

06.03.2006, 16:57 Uhr: Auf dem Blog von Mathias Oborski steigen die Zugriffe erheblich. Er registriert 20 mal mehr Besucher als üblich.

08.03.2006, 6:27 Uhr: Die Zugriffe auf den Blog von Mathias Oborski steigen auf das 60-fache des üblichen an. Auf YouTube wird das Video über 100.000 mal abgerufen.

09.03.2006: Medien greifen das Thema in der Berichterstattung auf. Es folgt das erste Interview von Grup Tekkan auf dem Online-Portal „Bunte.de„. Weitere Medienmeldungen folgen in Nachrichten-Networks, Radio und TV.

13.03.2006, 9:34 Uhr: Mathias Oborski veröffentlicht einen Teil der Anfragen aus der Musikindustrie, die an ihn gerichtet wurden.

15.03.2006: Grup Tekkan winkt ein Plattenvertrag mit dem zu Universal Music (Deutschland sucht den Superstar) gehörendem Unternehmen „Superstar Recordings„. Es folgt ein zweites Interview der Grup Tekkan auf dem Online Portal „Bunte.de“.

16.03.2006 23:24 Uhr: Fernsehauftritt der Grup Tekkan alias Ismael, Selçuk und Fatih Hira bei Stefan Raab.

17.03.2006: Spiegel Online berichtet unter dem Titel „Tokio Hotel verblasst im Sonnenlischt“ über die Erfolgsgeschichte der Grup Tekkan.

19.03.2006: Uppps – der Song der Grup Tekkan ist ein Plagiat. Die Melodie stammt vom Kanadier Michael Manu. Der Komponist des Originals „Tell me wut u want“ erfährt durch einen Anruf von der geplanten kommerziellen Veröffentlichung des Songs „Wo bist du mein Sonnenlicht“ durch Superstar Recordings.

20.03.2006: The Show must go on – Interview der Grup Tekkan auf Eins Live.

21.03.2006: Alles nur geklaut – nun ist es öffentlich, Spiegel online widmet dem Plagiat der Grup Tekkan einen Artikel.

24.03.2006: Komponist Michael Manu und Superstar Recordings einigen sich bezüglich der Nutzungsrechte des Songs. Veröffentlichung der Maxi CDWo bist Du mein Sonnenlicht“ durch Superstar Recordings wird angekündigt. Es sollen laut Angabe des Plattenlabels 60.000 bis 70.000 Maxi Cds veröffentlicht werden.

10.04.2006: Wieder uppps – Der Song „Wo bist Du mein Sonnenlicht“ erreicht nur Platz 12 der Deutschen Single Charts. Der Song kann seine Position nicht halten und stürzt schnell in den Charts ab.

16.10.2006: Wer zum Teufel sind Grup Tekkan?!? Downloads des Videos auf YouTube: über 5,6 Mio. Views.

Der Fall 3: Lonelygirl15 alias Bree alias Jessica Rose

Ab Mitte Juni 2006 erfreute sich auf YouTube das Video-Tagebuch von „Lonelygirl15″ wachsender Beliebtheit. Die Teenagerin Bree alias „Lonleygirl15„ erzählt darin eine märchenhaft bewegende Geschichte:

Abgeschirmt von den streng religiösen Eltern, veröffentlicht die 16 jährige Teenagerin Bree über das Portal YouTube ein Video-Tagebuch. Sie berichtet dort über alltägliche Dinge: das Verhältnis zu Ihrem besten Freund Daniel, Liebeskummer, das Verheimlichen Ihrer Video-Tagebücher gegenüber den Eltern, Okkultismus und bewegende Momente wie ihren ersten Kuss.

Bree unterhält den Sommer über eine wachsende Fangemeinde auf YouTube. Dann folgt Ernüchterung: Die geheimnisvolle Bree alias Lonleygirl15 wird von Bloggern enttarnt – hinter den Video-Tagebüchern verbirgt sich eine professionell produzierte viralen Seifenoper mit Drehbuchautoren und Schauspielern.

Betrachten wir die Ereignisse um Lonleygirl15 im Sommers 2006 genauer:

16.06.2006: Auf YouTube erscheint das erste Video der 16 jährigen Teenagerin Bree mit dem YouTube Pseudonym „Lonleygirl15„.

Zum Video Lonleygril15Bree im ersten Video:

„Hi, guys. Um, so, this is my first video blog.
Um, I’ve been watching for a while and I really like alot of you guys on here. Um, I really like paytotheorderofofof2… you’re really funny, and, um, your videos are always really interesting and you seem really nice. Um, then there’s thewinekone, or…just winekone? I’m not sure. You’re totally retarded, but I like it.
Well, I guess a video blog is about me. My name is Bree. I’m sixteen. Um, I don’t really wanna tell you where I live… cause, you could stalk me.
Yeah. Um… well, what you need to know about my town is that it’s really boring. Like, really, really boring. Really, really, really boring. Um, that’s probably why I spend so much time on my computer. I’m a dork.
Um, I really didn’t have a plan for this video blog, but… I guess I’ll just do this.
Okay, I hope you guys enjoyed that… um… bye!“

Bis Ende 08.2006: Es folgen fast 30 weitere Videos von Lonleygirl15 auf YouTube. Um die Geschichte von Bree hat sich eine wachsende Fangemeinde gebildet. Die Videos von Lonleygirl15 sind auf der Liste der populärsten Videos bei YouTube und erreichen im Schnitt je 200.000 Downloads.

28.08.2006: In der Internet-Community wachsen skeptische Stimmen zu den Videos von Bree. Die Web-Adresse lonelygirl15.com wurde nach Recherche von Bloggern bereits im Mai, vor dem erscheinen des ersten Videos registriert. Der Verdacht, dass alles nur Schwindel und ein Marketing-Trick ist erhärtet sich. Adam Sternbergh vom New Yorg Magazin greift das Thema auf. Bree veröffentlicht weitere Tagebuch-Videos.

08.09.2006: Die Los Angeles Times nennt Lonleygirl15 einen Marketing-Trick. Die Fans Shaina Wedmedyk und Chris Patterson hatten über ein E-Mail-Posting von Lonleygirl15 den Absender der IP-Adresse ausfindig gemacht: Es ist das Castingbüro der Creative Artists Agency in Beverly Hills. Der Begriff „Lonleygirl15“ wurde nach Recherche der LA Time als Marke durch den Anwalt Kenneth Goodfried als Marke geschützt. Bree veröffentlicht unterdessen weitere Tagebuch-Videos.

12.09.2006: Beiträge mit Hinweisen zur Enttarnung von Lonleygirl15 nehmen innerhalb der Internet-Community zu. Zahlreiche User beschäftigen sich mit der professionellen Machart der Videos. Der Journalist Tom Foremski meldet, dass er Bree als die Schauspielerin Jessica Rose indentifiziert hat.

13.09.2006: Die New York Times berichtet, das Lonleygirl15 erfunden ist. Hinter der Geschichte von Bree stecken der Drehbuchautor und Regisseur Ramesh Flinders, der Regisseur Miles Beckett, der Anwalt Greg Goodfried und seine Frau die Produzentin Amanda Goodfried. Lonleygirl15 ist eine inszenierte virale Seifenoper mit über 600.000 Zuschauern auf YouTube.
Stand 17 Oktober: Bree veröffentlicht weiter ihre Tagebuch-Videos (52 Videos auf YouTube).

Fazit

Der Geschmack der Internet-Community (sofern diese überhaupt Geschmack besitzt) ist schwer zu fassen. Geliebt werden meist tragisch-komische Helden, die auf den ersten Blick witzig, schockierend, abschreckend, authentisch oder extrem überzeichnet wirken.Die epidemische Verbreitung dieser Helden geschieht immer noch über grundlegende Mechanismen des Internets: vorwiegend „Mund zu Mund“ per E-Mail und über Gerüchteküchen wie Foren, Newsgroups, Filesharing und Blogs. Die Verbreitung einer attraktiven Information im Bored at Work Network erfolgt explsionsartig. Zumeist sind die Urheber einer solchen Epidemie von deren Wucht selbst überrascht.

Community-Portale des Internets der zweiten Generation wie YouTube, MySpace und Technorati sorgen für eine vereinfachte Verbreitung der Informationen (Video, Ton, Bild), die auch technisch weniger versierte Laien bewerkstelligen können.

YouTube bringt dies mit seinem Claim auf den Punkt: „Broadcast Yourself“.

Sobald sich erfolgreiche virale Inhalte im Internet herauskristallisieren, ist der Weg in die Massenmedien nicht mehr weit. Der Hunger nach Meldungen sorgt für eine Berichterstattung auf Nachrichtenportalen, Zeitung, Radio und TV.

Dabei reflektiert die Medien-Maschinerie gnadenlos den Geschmack der Internet-Community: ob freiwillig oder unfreiwillig, dem Rampenlicht der Berichterstattung kann sich keiner der Betroffenen entziehen.

Doch genauso schnell wie sich der Focus der über die betroffenen Personen richtet, ebbt die Berichterstattung in den Medien wieder ab. Neue Freakshows verdrängen die begehrten Plätze in den Medien. Zurück bleiben die durch den Medienrummel überrollten (Ex)Stars: „I want my life back“ wünschte sich Star Wars Kid Ghyslain Raza. Vergeblich – das Internet vergisst nicht.

Der Fall Lonleygirl15 hat dagegen eine andere Dimension. Durch gezielte Manipulation gibt Lonleygirl15 einem Teil der Web 2.0 Community genau das, wonach diese lechz: scheinbar authentische, triviale, niedliche und Geschichten voller Rätsel. Bewusste Nahrung für Verschwörungstheoretiker.

Das mit dem Rummel um Lonleygirl15 die Grenze zwischen Realität und Fiktion vollkommen verschwindet ist ein Kollateralschaden unserer Mediengesellschaft an den wir uns zunehmend gewöhnen werden müssen.

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